Artikel

Workshops der Bürgerstiftung Zukunft Blomberg ergeben: Der Knackpunkt ist das Jugendzentrum

Jung und Alt legen Finger in dieselbe Wunde

Von Marianne Schwarzer

Sie wollen „miteinander statt gegeneinander“ arbeiten. Die Bürgerstiftung Zukunft brachte jetzt Blomberger Erwachsene und Jugendliche an einen Tisch. Und beide üben heftige Kritik am Jugendzentrum.

Blomberg. Alkoholexzesse von Jugendlichen im öffentlichen Raum waren 2009 ursprünglich der Auslöser: Rainhard Quante von der Bürgerstiftung startete den Versuch, die Generationen an einen Tisch zu bringen (die LZ berichtete).

Das hat geklappt: In zwei getrennten Workshops unter Moderation des Bielefelders Holger Vetter haben zunächst Vertreter von Politik, Polizei und Jugendarbeit sowie Schülervertreter von Realschule und Gymnasium Nöte und Wünsche ihrer jeweiligen Altersgruppe zusammengetragen.

Die Ergebnisse tauschten sie in einem dritten, gemeinsamen Workshop aus. „Die Interessen beider Gruppen decken sich, nur dass die Erwachsenen mehr das Elternhaus und die Schüler mehr die Rahmenbedingungen in der Schule im Blick haben“, berichtet Rainhard Quante. Eltern unterstützen danach ihre Kindern oft nicht genug, während sich Schüler mitunter von ihren Lehrern allein gelassen fühlen. „Es hat schon in der Pause Schlägereien mit Schülern aller Schulen im Schulzentrum gegeben, ohne dass ein Lehrer eingegriffen hat“, erzählt Schülersprecherin Rebecca McColl.

Beide Altersgruppen halten das Jugendzentrum (JuZ) mit seinem Umfeld für ein großes Problem. „Offenbar haben viele Jugendliche Angst, dorthin zu gehen“, fasst Quante das Ergebnis zusammen. Im Übrigen wünschten sich die jungen Leute auch junge Ansprechpartner – die Beschäftigten im Jugendzentrum seien schlichtweg zu alt. „Das Jugendzentrum muss personell und konzeptionell neu ausgerichtet werden“, laute das deutliche Fazit des Workshops. Auf Nachfrage der LZ bestätigt Moderator Holger Vetter diese Einschätzung: „Das war wirklich Konsens bei allen Teilnehmern des Workshops. Es kam von den Jugendlichen, aber alle haben kräftig genickt.“

Im Übrigen wünscht sich die Jugend mehr Mobilität, beispielsweise am Wochenende nächtliche Busverbindungen in die umliegenden Städte und einen geschützten zentralen Raum für sich.

Doch was folgt nun? – In erster Linie zunächst Gespräche: Einige Workshopteilnehmer wollen mit Bürgermeister Klaus Geise über die Situation im Jugendzentrum sprechen, während die Schülervertretungen einen Termin mit ihren Schulleitungen anpeilen. Wird das was bringen? Rebecca McColl ist skeptisch: „Wir haben es jetzt soweit gebracht, dass wir wenigstens miteinander reden. Ob auch Taten folgen – da müssen wir mal gucken.“

© 2010 Lippische Landes-Zeitung, Donnerstag 20. Mai 2010

Kommentare

und welche Aktivitäten könnt/wollt IHR in Richtung JUZ entwickeln/einbringen???

und wie wollt Ihr weitere junge Leute (oder auch ältere) ín diese Aktion einbringen??

Gruß

W. Beumer www.tun-und-lernen.de

Bisher haben Ann-Cathrin und ich im JUZ schon zum Beispiel in den Osterferien verschiedene Programme (Dachpfannen anmalen und ein Hallensportprogramm) geleitet und in den Sommerferien werden wir auch wieder tatkräftig mithelfen. Dort wird ein Ferienprojekt mit Lerneffekt und Freizeit-Hightlights stattfinden und wir geben dabei auch Nachhilfe.

In der nächsten Schülerratssitzung werden wir uns mit den restlichen Schülerinnen und Schülern unserer Schule über den Workshop und das JUZ austauschen.

Kommentar schreiben

Eingehende Kommentare werden moderiert.
Bitte Regeln beachten: Bleiben Sie höflich, bleiben Sie beim Thema, und machen Sie keine unerwünschte Werbung.

  1. Formatierung: Nur Text erlaubt. Kein HTML, Markdown oder Textile.

  1. Wenn Sie ein Genie sind, lassen Sie dieses Feld bitte frei.